JHV Lebenstedt 2015

Verband will 3000-Mitglieder-Hürde überspringen

SoVD Lebenstedt informierte über Vorsorgevollmacht und ehrte Jubilare

Von Thomas Saalfeld

Erika Bolm wandelte einen bekannten Werbespruch ab. „Noch nie waren wir so wichtig wie heute“, sagte die Vorsitzende des Ortsverbandes Lebenstedt im Sozialverband Deutschland (SoVD). Soziale Errungenschaften wie Mindestlohn, Grundsicherung oder Pflegegeld würden nicht vom Himmel fallen, deshalb werde der SoVD mehr gebraucht als je zuvor.

„Wir sind Ihr Ansprechpartner in vielen prekären Lebenslagen“, rührte Bolm die Werbetrommel für den Sozialverband, der zum Jahresbeginn allein in Lebenstedt 2820 Mitglieder zählte. Bolm flachste ehrgeizig: „Ich habe immer Eintrittserklärungen dabei, wir wollen noch in diesem Jahr unbedingt die 3000-Mitglieder-Hürde überspringen.“ Notlagen wie Kinder- und Altersarmut sowie Arbeitslosigkeit seien einige der Gründe dafür, dass die Mitgliederzahl nicht allein im Ortsverband deutlich steige. Die Ortsverbandsvorsitzende stellte in ihrem Jahresbericht auch Adriana Beßler vor, die als neue Bürokraft die Ehrenamtlichen im Beratungszentrum In den Blumentriften 62 montags und donnerstags unterstützt.

Bolm teilte den 161 Teilnehmern an der Jahresversammlung des SoVD-Ortsverbandes Lebenstedt mit, dass Schatzmeisterin Liesa Reddig ihre Aufgaben entgegen früherer Pläne weiter wahrnimmt. Dem Antrag auf Entlastung des Vorstands stimmten die Mitglieder einstimmig zu.

Vor dem stellvertretenden Ortsbürgermeister Werner Müller und zahlreichen Gästen lobte SoVD-Kreisvorsitzender Dieter Kömpel die engagierte Arbeit aller Vorstandsmitglieder und Ehrenamtlichen des Lebenstedter Sozialverbandes. Allerdings falle es immer schwerer Vorstandsposten zu besetzen, hierfür gelte es rechtzeitig Nachfolger zu suchen, empfahl Kömpel. Vor allem dank seiner starken Basis habe der SoVD eine laute Stimme für die benachteiligten Gruppen unserer Gesellschaft. Der Sozialverband werde von den Politikern aller Parlamente gehört, ehe diese Gesetze erlassen würden.

Rechtsanwalt Dietmar Weitzel referierte ausführlich zu den Themen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Dies gehe nicht allein Senioren an, sogar junge Menschen könnten durch einen Unfall oder Krankheit in eine Lage geraten, in der sie so stark beeinträchtigt seien, dass sie ihre eigenen Belange nicht mehr regeln könnten.

Durch Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung lasse sich beispielsweise verfügen, ob jemand durch eine Magensonde zwangsernährt werden wolle. Generell werde dort festgeschrieben, wer über Aufenthaltsort, Vermögen und Behandlung entscheiden soll. Ist dies nicht festgelegt, dann sieht das Gesetz vor, dass Richter in der Regel einen fremden Betreuer bestimmen.

Weitzel wollte sich nicht dem Vorwurf aussetzen, dass er Werbung für seine Branche machen wolle. Der Notar empfahl jedoch die unterschriebene Vollmacht bei der Bundesnotarkammer registrieren zu lassen. Jeder Betreuungsrichter müsse dort erst nachschauen, ehe er für hilflose Patienten einen Betreuer einsetzt. Weitzel habe in seinem Arbeitsalltag Familiendramen aufgrund fehlender Vorsorgevollmachten erlebt, sagte der Rechtsanwalt. Der Fachmann empfiehlt Frauen und Männern, die ihre Kinder als Betreuer einsetzen wollen, diese jeweils als einzeln vertretungsberechtigt zu bestimmen. Wenn nur eines der erwachsenen Kinder nicht vor Ort sei, dürfe für den Patienten nichts geregelt werden. Obwohl Vortrag und Fragestunde rund eine Stunde dauerten, blieb noch so manche Frage der Zuhörer offen.

Kurz und bündig verlief zum Abschluss die Ehrung der Jubilare. Für 40 Jahre Treue zum SoVD wurde Erna Rausch mit Blumen und Urkunde ausgezeichnet. Je 25 Jahre im Verband sind: Karin und Hartmut Böhm, Liselotte und Klaus-Jürgen Lange, Franziska, Ambros und Reinhold Kohlruss, Richard und Manfred Schmitt, Ewald Arndt, Dieter Schulz, Waltraud Ferle, Mikail Özcan, Günther Helmbrecht, Kurt Kotzmann, Johann Kirsch, Eleonore Smerda und Willi Veckenstedt. Weit mehr als hundert weitere Lebenstedter SoVD-Mitglieder sind seit zehn Jahren im Sozialverband.